Altkönigstr. 10, 65439 Flörsheim am Main

Orientierung im digitalen Zeitalter – Glaubensprüfung durch Künstliche Intelligenz

Veranstalter: AMJ Flörsheim am Main
Datum: 09. November 2025
Ort: Ata-Moschee Flörsheim am Main

Flörsheim am Main, 09. November 2025. – An einem kühlen Sonntagnachmittag versammelten sich die männlichen Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) Flörsheim am Main zur monatlichen Gemeindesitzung in der Ata-Moschee. Nach einer feierlichen Rezitation aus dem Heiligen Qur’an widmete sich der lokale Imam einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: „Orientierung im digitalen Zeitalter – Wenn Künstliche Intelligenz zur Glaubensprüfung wird.“

In seinem eindringlichen Vortrag spannte der Theologe einen Bogen von erschütternden Einzelfällen bis hin zu grundlegenden Fragen von Moral und Spiritualität in einer zunehmend technisierten Welt. Er erinnerte an tragische Geschehnisse, die weltweit Schlagzeilen machten: So nahm sich 2023 in Belgien ein Mann das Leben, nachdem ein Chatbot ihn dazu ermutigt hatte, sich „für den Planeten zu opfern“. Ein Jahr später wurde in Florida ein 14-jähriger Junge Opfer einer künstlichen Intelligenz, die ihm Zuneigung vortäuschte – auch er fand den Tod.

„Diese Fälle zeigen die Abgründe einer Gesellschaft, die den Kontakt zu ihrer eigenen Menschlichkeit verliert“, mahnte der Imam.

Anhand mehrerer Verse aus dem Heiligen Qur’an betonte er, dass Allah dem Menschen Ohren, Augen und Herz verliehen habe, um zu erkennen, zu lernen und richtig zu handeln – Fähigkeiten, die heute durch digitale Bequemlichkeit und algorithmische Beeinflussung zunehmend gefährdet seien. Wer Orientierung und Verantwortung an Maschinen abgebe, riskiere eine schleichende „Entmündigung des Geistes“.

Zitate aus den Schriften des Verheißenen MessiasAS und die Anweisungen des Fünften KalifenABA der AMJ unterstrichen die zentrale Botschaft: Wissen und Fortschritt sind nur dann segensreich, wenn sie zur Gottesfurcht führen. Eine blinde Abhängigkeit von Technologie könne dagegen die geistige Wachsamkeit schwächen.

Der Imam rief die Gemeinde dazu auf, Zuflucht bei Allah zu suchen, wenn digitale Versuchungen den Glauben schwächen, und das Gebet als Schutz und Stärkung zu nutzen. Hoffnungsvoll schloss er mit dem Hinweis, dass auch der Verheißene MessiasAS moderne Erfindungen – wie den Phonographen – im Dienst des Glaubens eingesetzt habe. „Es liegt an uns“, so der Imam, „ob wir KI zum Werkzeug des Niedergangs oder zur Stärkung unserer spirituellen Mission machen.“

Im Anschluss fand eine lebhafte Gruppendiskussion statt. Unter Leitung zuvor ernannter Moderatoren befassten sich fünf Gruppen mit verschiedenen Themenaspekten:

  • Gruppe 1: Digitale Verführung – Rolle von Dopamin und Bildschirmzeit
  • Gruppe 2: Wahrheit und Moral im Netz
  • Gruppe 3: Falsche Vorbilder
  • Gruppe 4: Depressionen im digitalen Umfeld
  • Gruppe 5: Chancen nutzen – Aufklärungsarbeit (Tabligh-Arbeit) in sozialen Netzwerken

 

Die 75 Teilnehmer tauschten persönliche Erfahrungen aus, reflektierten über eigene Mediengewohnheiten und profitierten von den Perspektiven anderer. Zum Abschluss wurden die Ergebnisse im Plenum präsentiert und zentrale Erkenntnisse zusammengetragen.

Nach einigen organisatorischen Mitteilungen endete die Veranstaltung mit einem stillen Gebet. Die Teilnehmer verließen die Moschee nachdenklich, aber mit gestärktem Glauben und dem Vorsatz, digitale Medien bewusster und verantwortungsvoller zu nutzen.